Ich verteidige mich nun nicht mehr – es wäre kaum mehr glaubwürdig -, aber: nirgends findet man auch soo tolle Schlagzeilen wie hier:

Blick: Wo waren die Brüste?

Ich meine, man stelle sich eine NZZ mit so einer Schlagzeile vor? Wie würden sich die armen Herren der selbsternannten Intelligentia beherrschen, wenn sie das im Erstklassabteil der SBB lesen würden? Nein, das ginge gar nicht. Nun möchte ich aber nicht darüber schreiben, wer was wann liest und wie er sich dabei beherrscht, sondern mir kam ein anderer Gedanke bei dem Artikel:

Überall protestieren diese Damen entblösster Oberweite für ihre Ideen und für ihre Prinzipien. Nur in der Schweiz entblössen sie sich nicht. Nun ist die Schweiz ein offensichtlich kleines Land – quasi eine Minderheit. Kann man nur also dahin gehen und sagen: die Schweiz ist eine unterdrückte Minderheit? Alle kamen sie in den Genuss, nur wir nicht? Könnte man dagegen klagen? Unterdrückung? Diskriminierung? Müssten nicht immer alle dieselben Reche haben?

Wo hören Rechte auf? Wo fangen Pflichten an? Was ist Gleichbehandlung und wann darf sie eingefordert werden? Heisst Gleichbehandlung immer, alle gleich zu behandeln oder müssten die entsprechenden Bedürfnisse und Möglichkeiten ein- und aufgerechnet werden?

Und so kommt man von blanken (oder eben nicht) Frauenbusen zu Grundfragen der Gerechtigkeit und wird vom Blick zu Grundsatzfragen demokratischer und gerechtigkeitspolitscher Art gebracht. Wundersame Welt 🙂

Es gibt Tage, da steht man auf, mit einem bestimmten Gefühl in sich: Das wird ein guter Tag. Mir geht es gut. Der Blick nach draussen bestätigt dies noch, die Sonne scheint, im Wasser spiegeln sich die farbigen Herbstbäume, kleine Dörfchen schwingen sich pitoresk die grünen Hügel hinauf. Eine Fahrt in die Berge macht das Paradies perfekt: die Autobahn gesäumt von mit Herbstlaub behangenen Bäumen, dahinter in Schnee getauchte Berge, die sich gegen den Himmel recken, die heimischen Berge, die immer näher kommen. Bald fährt man ins Dorf, das seit Kindertagen Heimat bedeutet, fährt über den Bach, den Berg hinauf, ins nächste Dorf, das mit Fug und Recht als das Schönste der Welt bezeichnet werden kann. Nur schon die kleine Kirche am Eingang steht da wie gemalt, die Holzchalets drum herum runden das BIld ab. Ja, es ist ein guter Tag und ich fühle mich privilegiert, in einer so schönen Gegend zu leben. Ein Blick aus dem Fenster zu Hause lässt schon Bilderbuchromantik zu, ein paar Schritte vor die Tür und man steht in einer Märchenwelt.

Wieso aber sieht man das nicht immer? Wieso gibt es Tage, die grau scheinen? Wieso Tage, an denen man denkt, die Welt sei gegen einen, es ginge alles schief? Ist es nur die eigene Optik, eine Unzufriedenheit, die dann den Blick auf die negativen Dinge werfen lässt? Zieht Energie Energie an? Wenn ich mich schlecht fühle, ziehe ich das Schlechte an, fühle ich mich gut, kommt all das Gute zu mir?

Ich denke, es ist normal, dass nicht jeder Tag der Beste des Lebens sein kann. Es ist auch klar, dass es Tage gibt, die man lieber streichen würde, wo alles eher schief läuft. Trotzdem denke ich, sollte man nie vergessen, welches Privleg man im Leben hat. Nur schon in dem Land geboren zu sein, in dem wir leben, ist ein ganz grosses Privileg, von dem viele Menschen träumen würden. Der Umstand, dass ich meine Gedanken in einen Computer tippen kann, bedeutet, dass ich mir einen solchen (und dazu noch einen schönen :D) leisten konnte. Dass der Text am Schluss im Netz steht, spricht dafür, dass ich Internet habe und noch damit umgehen kann. Und etwas, das man nie vergessen darf: ich hatte das grosse Glück im Leben, eine wirklich tolle Bildung geniessen zu dürfen. Hatte die Möglichkeit, all das zu lernen, was ich lernen wollte, konnte meinen Weg durch die Schulen machen. Wie vielen Kindern ist nur schon ein Bruchteil davon versagt?

Damit möchte ich nicht dafür plädieren, fortan mit seligem Lächeln durch die Welt laufen zu müssen, weil wir ja so glücklich sind. Auch in unserer Welt gibt es Probleme, grosse Probleme – relativ grosse. Die Relation misst sich immer am gewohnten Lebensumfeld. Das macht den direkten Vergleich mit anderen Umfeldern obsolet. Aber vergessen sollte man diese nicht. Und vielleicht doch ab und an ein wenig Dankbarkeit spüren für das, was man alles hat, wenn all das drückt, was man gerade nicht hat oder vermisst.

Es geht mir gut. Ja, das tut es!

Es gibt Lieder, die erinnern einen an die erste Liebe, an den ersten Kuss, die erste Begegnung. Oft verbinden wir Musik mit sinnträchtigen Momenten unseres Lebens. Wenn wir dann später das bestimmte Lied hören, denken wir an den Moment, an den Menschen zurück. Ich habe viele solche Lieder. Ich verbinde viele Momente im Leben mit Liedern oder die Lieder mit den Momenten.

Es gibt aber auch Momente, in denen ein Lied läuft, das genau zu dem entsprechenden Moment passt. Zufall? Wenn man kurz vor einer ungewollten Trennung steht und im Radio Chicagos „If you leave me now“ läuft? Oder „If you go away„?Wenn einer einen Hochzeitsantrag machen will und Eros singt „Ti sposero“? Nur Zufall? Oder doch mehr?

Aussen und Innen – immer kehrt es wieder: was bedingt das andere? Was ist Huhn und was Ei? Was war zuerst, was folgte? Nehmen wir im Aussen nur bewusster war, was gerade innen abläuft oder ziehen wir im Aussen an, was wir im Innen leben, fühlen, sind? Folgt Energie Energie oder aber Aufmerksamkeit den eigenen Befindlichkeiten?

Rein rational argumentativ lassen sich beide Varianten sinnvoll erklären. Hinreichend begünden. Wo liegt die Wahrheit?

Zweiter Teil – als ich den Satz las, kam mir die Zweideutigkeit der „Gründe“ in den Sinn.

Ein Grund kann eine Ursache sein, etwas, das dem andern zu Grunde liegt, eine Kausalität begründet. Heidegger schrieb in seinem Werk „Der Satz vom Grund“, dass nichts ohne Grund ist. Das bedeutet, dass alles, was ist, einen Grund hat, zu sein, was es ist, wie es ist, sogar: dass es ist. Das entspricht in etwa Aristoteles‘ erstem unbewegten Beweger – mit einer Ausnahme, wie wir sehen werden. Aristoteles vertritt die Idee, dass alles Bewegte einen Beweger hat, sprich: alles, was sich bewagt, wird von etwas anderem bewegt. Dieses bewegt sich, indem es bewegt, selber, so dass es auch wieder einen Beweger braucht. Und so geht die Aristotelische Bewegungskette weiter und weiter bis hin zu einem ersten Beweger, der selber unbewegt ist. Thomas von Aquin hat den dann aufgegriffen und Gott genannt in seinen Gottesbeweisen (welche streng logisch gesehen keine Beweise waren – ich könnte noch mehr davon schreiben, lasse das aber an der Stelle).
So weit, so gut. Nun hat also das Herz Gründe. Gründe, etwas zu tun, zu wollen, zu fühlen. Worin liegen diese Gründe begraben? Und was ist das Herz überhaupt? Das Wesen des Menschen? Die Seele des Menschen? Sein Innerstes? Die Psyche? Worin besteht der Unterschied von Seele und Psyche? Und sind sie zuinnerst oder gibt es noch eine Schicht tiefer etwas, das quasi Grund der beiden ist? Und mit der Frage kommen wir der zweiten Bedeutung von Grund näher:

Grund als Abgrund. Welche Abgründe tun sich auf, wenn man in das Herz blickt? Manch einer hat Angst, genau hinzusehen, weil er eben Tiefen befürchtet, mit denen er überfordert wäre. Er weiss nicht, wie damit umgehen, weil alles nicht wirklich fassbar ist und wer schon mal wirklich und tief liebte, weiss, was dieses Gefühl mit einem anstellen kann. Er weiss, wie ausgeliefert man ihm sein kann und oft verursacht das Angst. Und aus dieser Angst heraus versucht man, zu mauern. Und doch wird man es nie ganz schaffen, alle Gefühle abzutöten. Sie werden sich immer wieder einen Weg nach oben erkämpfen und man wird sie spüren, auch wenn man dagegen ankämpft. Man kämpft dagegen an mit dem Verstand, mit Argumenten. Und dann ist es wieder da: das Herz – und es spricht. Und man geht wieder dagegen vor – und wieder spricht es. Aus seinen Abgründen heraus. Weil es Gründe hat.

Nun stellt sich aber die nächste Frage: Der Satz, wie er da steht, ist nur eine Übersetzung eines französischen Ausspruchs von Blaise Pascal: Le coeur a ses raisons que la raison ne connaît point.

Da steht gar nichts von Gründen, da wird dem Herzen ein Verstand, eine Logik zugesprochen. Das folgt dann in der nächsten Fortsetzung. Dann werde ich auch auf die Problematik von Übersetzungen und deren Interpretationen eingehen.

Heute stolperte ich über einen Spruch, den ich schon lange mit mir trage, der mir in vielen Situationen immer wieder begnet ist – und heute eben wieder. Es wird Zeit, ihn gründlicher anzuschauen. Da ich denke, dass der wirkliche Sinn sich nicht an einem Tag, in einem Augenblick erschliesst, werde ich das in Etappen tun.

Der erste Gedanke zu dem Spruch:

Höre auf dein Herz, denn es kennt Wahrheiten, die der Verstand nicht erfassen kann. In deinem Herzen ist vieles von dir drin, das du nicht benennen, nicht wirklich erkennen kannst, das aber dich und dein Fühlen, Denken, Handeln ausmacht. Dein Herz kennt Antworten, die du mit allen Argumenten nicht geben kannst. In dem Zusammenhang lässt sich auch der Fuchs im kleinen Prinzen zitieren: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Als Kopfmenschen, wie wir es heute oft sind, versuchen wir, die Welt mit dem Verstand zu erfassen. Wir versuchen alles, was uns begegnet, verstandesmässig einzuordnen, zu qualifizieren und danach zu handeln. Das ist durchaus sinnvoll, da wir so auch gewisse Lerneffekte nutzen können und nicht ständig dieselben Fallen neu beehren. Es gibt aber sicher auch Bereiche, in denen der Verstand mehr Unruhe stiftet als Klarheit bringt. Gerade in Liebesdingen ist dies der Fall. Nun wäre ich die letzte, die sagt, man solle den Verstand ausschalten, nie. Aber: zuerst muss das Herz sprechen. Sagt es ja, folge ihm. Der Verstand kann dann ab und an als Kontrollinstanz einspringen, grundsätzlich ist es aber nicht sein Bier (wundervolle Theorie).

Grundsätzlich denke ich – und lese aus dem Spruch wie aus der Aussage des Fuchses: Wenn dein Herz dir etwas sagt, folge ihm. Dein Herz hat Gründe und die liegen tief in dir, sind quasi deine Kernbedürfnisse. Ihnen zu widersprechen hiesse, dich in deinem Kern zu verneinen.

Fortsetzung folgt…

Beim stöbern durch die Medienlandschaft (das klingt immer noch besser, als wenn ich schriebe: als ich den Blick las) stiess ich auf eine Nachricht, wonach in der Schweiz immer öfter Menschen Schlange stehen, um Läden als erste zu stürmen.

Früher hauptsächlich bei Appleshops (ok, einigermassen nachvollziehen, wenn denn) greift das Tun um sich und so sieht man bei Neueröffnungen oder bei Ankündigung bestimmter Aktionen Menschentrauben vor der Tür stehen und warten, bis diese sich öffnet.

Was hat es auf sich damit? Wieso will man als erster in einem neu eröffneten Laden stehen? Sieht der am ersten Tag zur ersten Minute anders aus als nachher? Damit man sagen kann: ich war vor dir drin? Hofft man, als erster Besucher in der Ortspresse zu erscheinen, am Besten noch mit Bild (Gott bewahre, Grund genug, das nicht sein zu wollen)? Vielleicht übt man auch für einen neuen Eintrag ins Guiness Buch: die meisten Läden als Erster gestürmt. Oder man hofft auf ein Willkommenspräsent?

Vielleicht hat das gemeinsame Anstehen auch etwas Verbindendes und man sucht so die Kontakte der Mitmenschen, indem man gemeinsam dastehen , ungeduldig warten , die Ungeduld mit ein paar spassigen Bemerkungen überdecken kann. Oder man war nur ganz zufällig da (so wie ich immer zufällig den Blick lese) und musste Kraft tanken, deswegen blieb man stehen – und just öffnete die Tür, so dass man dachte: „Wenn ich schon mal hier bin, kann ich auch gleich rein.“

Oder man denkt, wenn ich heute nicht rein gehe, ist er morgen weg und ich hätte die Chance meines Lebens verpasst? Könnte nicht sagen, dass man auch drin war, als er noch stand, was die nun verpasst hätten, die eben nicht drin waren?

Irgendwie scheint mir, dass das, was früher mal verpönt war, heute in wird. Früher machte man seine Spässchen über die Omas, die morgens um Viertel vor acht schon vor der Migros standen und wartete, dass die eine Viertelstunde später öffnet. Heute ist es cool, wenn man das macht. Oder ist Saturn cooler als Migros? (ok, Apple ist cooler….ich möchte aber betonen, ich stand auch da noch nie vor der Tür, um reinzustürmen).

Und nun – hier kommt die Antwort, wieso es so ist: Ich habe keine Ahnung. Ich begreife es schlicht nicht. Ich habe ohne Anstehen noch jede Aktion gekriegt, die ich wollte (oder will ich nur das, was niemand sonst haben will???), war noch in jedem Shop, den ich betreten wollte – nicht als Erste, aber der stand auch nach einem Tag noch genau da, wo er am ersten Tag stand.

Um Antworten wird gebeten, ich möchte doch auch verstehen…