Seit ein paar Wochen erhalte ich täglich die korrigierten Weihnachtswunschlisten meines Sohnes. Auf den Hinweis, dass es bis Weihnachten noch eine Weile hin sei und sich die Wünsche noch oft ändern könnten, kommt wenig bis nichts, höchstens ein verächtliches Schnauben ob so viel Unwissenheit und Weltfremdheit einer Mutter. Netterweise räumt der wünschende Bub die veralteten Zettel jeweils selber ab – wohl mehr zum Schutz seiner aktuellen Liste, als aus Ordnugnsbewusstsein und Tischkulturschutz meinereiner. So oder so, ich bin nun im Besitz des Zettels Nummer (gefühlt) 1845, vollgekritzelt (vollgeschrieben würde das Bild nicht treffen) mit irgendwelchen abstrus klingenden StarWars-Artikeln von Lego. Den Ausführungen des Heranwaschsenden, was es mit den StarWars-Figuren und -Schiffen und -Welten auf sich hat, bin ich schon lange nicht mehr gefolgt, ich weiss nur so viel, dass es Gute und Böse gibt und er die Bösen cooler findet. Ich weiss nicht, ob das gut ist. Wohl eher böse? Will ich ein böses Kind? Nein, mein Kind ist gut, das ist wohl der Gegenpol.

So weit so gut, Weihnachten wird kommen – und damit eine Invasion von StarWars-Raumschiffen inklusive böse Männchen (können Legomännchen böse sein? Und wenn ja, was machen sie dann? Mit mir?) Ein paar dieser Objekte haben wir ja schon, ein Schiff in voller Pracht, eines in Einzelteilen, weil das begeisterte Kind in seiner ungestümen Begeisterung drüber stolperte, was das gute (oder böse) Teil nicht verkraftet hat. Wie das Schiff dann im Weltall fliegen soll, wenn es schon solchen Kräften nicht standhält, konnte ich mir verkneifen zu fragen.

Immer noch gut so weit. Doch: wenn seine Weihnachten kommen, dann kommen meine ja auch… was wünsche ich mir denn? Darauf wurde ich gestern so ganz deutlich gestossen, als – Wunder über Wunder – just mein Lieblingslied lief:

http://www.youtube.com/watch?v=yXQViqx6GMY&ob=av2e

Ob ich nun meinem Sohn meinen Weihnachtswunschzettel bringen soll? Ich weiss es nämlich. Ganz genau. Es kam so über mich. Aber Wünsche soll man ja nicht verraten, sonst gehen sie nicht in Erfüllung. Ob das mit Weihnachtswünschen auch so ist? Und irgendwie ist Weihnachten sehr weit weg. So lange warten? Ich glaube, nun haben mein Sohn und ich etwas gemeinsam: wir warten nicht gerne. Weihnachten soll kommen. Jetzt. Sofort. Und wenn nicht? Dann höre ich nochmals das Lied… und nochmals… und nochmals…

Merry Christmas!

Was wäre wenn traf auf hätte ich doch und fragte was hätte ich doch, was gewesen wäre, wenn was hätte ich doch getan hätte, was hätte ich doch hatte tun wollen, aber nicht getan hat. Hätte ich doch sagte darauf, dass es nicht wisse, wieso es nicht getan hat, was es hätte tun wollen, doch dass es immer daran denke, dass es hätte tun sollen, was es hatte tun wollen, weil es sich nun immer frage, was nun wäre, wenn es eben getan hätte, was es hätte tun wollen. Und so fragte hätte ich doch was wäre wenn, was denn nun wäre, wenn hätte ich doch getan hätte, was es hätte tun wollen, aber nicht getan hat. Was wäre wenn überlegte und sagte dann, dass es nicht wisse, was wäre, wenn hätte ich doch getan hätte, was hätte ich doch hatte tun wollen, da es nicht wisse, was hätte ich doch überhaupt hätte tun wollen. Zudem war sich was wäre wenn nicht sicher, ob hätte ich doch überhaupt hätte tun können, was hätte ich doch hätte tun wollen, denn schliesslich musste es ja Gründe gehabt haben, dass hätte ich doch getan hat, was es getan hat oder eben nicht getan hat, was hätte ich doch hätte tun wollen. Hätte ich doch wurde nachdenklich und sagte, dass was wäre wenn eigentlich recht hätte, dass man eben nie wissen könne, was wäre wenn, wenn man nicht getan hätte, was man hätte tun wollen, da man nicht mal wisse, ob man hätte tun können, was man hätte tun sollen oder wollen. Insofern sei die Frage, was wäre wenn, eine überflüssige, da da man nie sagen könne, was wäre wenn, hätte man getan. Was wäre wenn und hätte ich doch umarmten sich als überflüssig und lösten sich in Luft auf.

„Das ist cool!“ sagt das Ich.
„Das ist doof!“ sagt das Ich.
„Pass bloss auf, das ist gefährlich!“ sagt das Ich.
„Nun stell dich nicht so an, das ist ganz leicht!“ sagt das Ich.
„Streng dich ein wenig an, so klappt das nie!“ sagt das Ich.

Wer bin ich? Und wer sind die anderen? Wenn ich mich entscheiden soll zwischen all den Stimmen, welches ist dann meine? Und welches ist das Ich, das darüber entscheidet? Und wenn ich entscheide und ich eine Meinung habe und noch andere Meinungen da sind, wo kommen die her? Oder bin ich viele und alles ist Ich – wer sind dann die anderen? Sind das die Geister, die ich rief, um eine ausgereifte Entscheidung treffen zu können? Und nun werde ich sie nicht mehr los, weil sie in meinem Kopf ihre Besenreitstunden vollführen? Sind das die Überbleibsel einer Wissenschaftsanhänglichkeit, die alles zu bedenken auferlegt hatte? Postscientificale Relikte – um es mit einem selbsterfundenen gut klingenden Wort zu benennen, wie es in ebendiesen Kreisen so gerne üblich ist? Klang vor Inhalt, Schein vor Sein. Wie so oft in dieser Welt.

Was ist eigentlich so schlecht am Schein? Kann nicht, was gut scheint, auch gut sein? Dann wäre ja Schein gleich Sein und insofern echt? Und irgendwo scheint ja das Sein immer, da erst durch den Schein das Sein sichtbar, scheinbar gesehen wird. Gäbe es also ohne Schein gar kein Sein? Oder würde es nicht gesehen, trotz seiner Existenz? Denn wenn es kein Sein gäbe, wäre ja nichts. Und auch das Nichts wäre nicht sichtbar. Die Frage, was Nichts wäre, sparen wir auf für einen nächsten Text, da dieser schon zu chaotisch ist. Wer sagt das eigentlich?
„Er ist chaotisch!“ sagt das Ich.
„Er ist kreativ!“ sagt das Ich.
„Er regt zum nachdenken an, also ist er!“ sagt das Ich.
„Er soll gelöscht werden, da er Unsinn ist!“ sagt das Ich.
„Er soll stehen bleiben, da er schon geschrieben ist!“ sagt das Ich.

„RUHE!!“ sage ich

Wenn der Vorhang fällt, möchte man sagen können, seinen Weg gegangen zu sein. Doch wie sieht er aus? Was genau ist „mein Weg“ und wie viele Kompromisse erträgt er? Aus wie vielen verschiedenen Komponenten bildet er sich und wo führt er durch? Wie weiss ich, dass etwas mein Weg ist oder ob es nur ein Weg ist, der durch Gesellschaft, Wünsche, falsche (??) Hoffnungen gepärgt ist? Wir unterliegen so vielen Einflüssen, die Hoffnungen und Bilder prägen: wie stark ist deren Einfluss? Rennen wir nicht oft Bildern hinter her, die nicht wirklich Realität sind, sondern Illusionen und Wunschdenken?

Wer bin ich und wo gehe ich hin? Die wohl wirklich wichtigen Fragen im Leben und die, welche am schwersten zu beantworten sind. Wir verlieren uns in Rollen, sind Vater, Mutter, Arbeiter, Berufler, Mann, Frau – aber sind wir das wirklich? Ist da nicht noch eine tiefer liegende Wahrheit, die hinter all diesen Rollen steckt? Und wie sieht die aus? Und was heisst das für das Leben im Alltag?

Grundsätzlich lässt sich wohl sagen, dass der Mensch kein Einzeltierchen ist. Und genau dieser Umstand sorgt wohl auch für die meisten Schwierigkeiten im Leben. Um den Traum des Miteinanders leben zu können, sind wir schnell gewillt, unseren eigenen Weg zu verlassen, anzupassen, um ihn kompatibel zu machen. Nur geben wir uns dabei immer ein Stück weit auf. Ist der andere nicht zu ebensolchen Kompromissen bereit, wird das so schnell zur Selbstaufgabe, weil man komplett auf die andere Seite wechseln muss, um überhaupt die Chance für ein Miteinander zu haben. Und dann? Ist man fern von seinem Weg, auf unsicherem Gelände, auf dem man sich nicht mehr auf seine Intuition verlassen kann, weil diese auf dem eigenen Weg weiter läuft. Man fühlt sich fremd, unsicher, hilflos und torkelt dahin. Hofft, aufgefangen zu werden und fällt jedes Mal, wenn man es nicht wird, noch tiefer.

Irgendwann kommt man zum Schluss, dass es wohl doch der eigene Weg sein soll. Die Erkenntnis allein beseitigt die Trauer und Unsicherheit nicht. Und die Hoffnung bleibt, dass ein Miteinander möglich bleibt – ohne Selbstaufgabe. Irgendwie – irgendwann. Dass es doch einen Weg gibt, der my way ist und our way sein kann. Dies aber nur, wenn auf beiden Seiten Weggabelungen genommen werden, die zueinander hinführen, die den sicheren eigenen Pfad ein wenig verlassen, um später gemeinsam einen Weg gehen zu können.

http://www.youtube.com/watch?v=_4DJMPGNiD0

Wenn einmal der Wurm drin ist, so scheint es, kehrt er immer wieder. Wie ein treuer Hund, der immer wieder zu seinem Meister zurück kehrt, zeigt er sich immer wieder von Neuem, wenn man gerade gedacht hatte, ihn los geworden zu sein. Es scheint gar, er verhält sich wie sein realer Tiergefährte, welcher in zwei Würmern weiter besteht, wenn man ihn mal mordlustig entzweigehauen hat. So dümpelt man durchs Leben von Aufbau, Erhalt und Zerstörung und irgendwie erscheint mir bei diesem Kreislauf die dritte Phase extrem überdominant und langwieriger. Prägender vor allem. Klar heisst es, dass Leid einen weiter bringt, doch so weit wollte ich doch gar nicht kommen.

Man kommt auf diese Welt, naiv, unverdorben, erhofft sich nur das Beste, malt sich das Leben in den buntesten Farben aus und merkt von Jahr zu Wahr, wie Illusionen sterben und das reale Leben sich zeigt in seiner ab und an grausamen, ab und an kaltherzigen, ab und an untragbaren Art. Man glaubt immer wieder an Fenster, die aufgehen, wenn Türen zuschlagen, hält den Kopf oben und die Ohren steif, wie es einem gutmeinende Zeitgenossen raten, findet immer wieder den Ausweg aus dem eigenen Leid – um ins nächste zu geraten. Das scheint der ewige Lauf der Dinge und es hilft wohl nur, diesen zu akzeptieren.
Nun kann dieser Lauf tröstend sein, weil zwingend auf den Abbau wieder ein Aufbau folgt. „Nach em Räge schiint d’Sunne“ – allein: auf die Sonne folgt genau so sicher auch wieder der Regen. Und damit die nächste Traufe, in die man sich legen kann. Legen ist noch die positivste Art, da rein zu geraten, oft stürzt man rein, unvermittelt, ungewollt, ungebremst. Und sieht sich liegend und zappelt oft wie ein Käfer, welcher auf den Rücken gefallen ist oder wie der Frosch im Milchtopf.
Zu düster alles? La vita e bella? Selbst in dem Film sieht man doch, dass alles nur Schein, nur Illusion ist. Das, was dahinter steht ist ungleich düsterer. Und doch gibt es sie natürlich, die kleinen schönen Momente, die einem wieder Hoffnung geben, die einen denken lassen, dass da doch noch was Schönes kommen kann, dass nicht alles nur schwarz ist, sondern viele Farben da sind. Und ab und an erlebt man es, dass man sich in Farbe fühlt und aufgehoben und denkt: doch, so soll es sein, so soll es bleiben.
Das Aber lasse ich beiseite, denn: was bleibt ist Glaube, Liebe, Hoffnung – am stärksten aber ist die Liebe. Nun gut… zu der äussere ich mich mal nicht und setze auf die Hoffnung, auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin: ohne Liebe ist alles nichts.

Was ist Zuhause? Was braucht ein Ort, um Zuhause zu sein? Wie kann man an einem Ort wohnen und Heimweh haben? Was fehlt? Kann ein Ort für sich Zuhause sein oder machen es die Menschen, die da sind? Grundsätzlich würde ich sagen die Menschen sind es, nur kann man sich an Menschen hängen? Sich auf sie verlassen? Wird man nicht zwangsläufig immer und immer wieder verletzt, wenn man das tut? Macht man sich nicht verletzlich? Wie oft erträgt man Verletzungen? Das Aufdecken von Illusionen?

Wo liegt das Glück? In einem selber heisst es. Wozu also bräuchte man dann andere Menschen? Orte würden genügen, man hätte sich dabei. Im Grunde genommen bräuchte man nicht mal die, man wäre selbstgenügsam in seinem Glücklichsein. Losgelöst von allem Aussen.
Das wäre wohl die Erleuchtung – ich bin weit von dem Zustand entfernt und merke nur: Glück ist anders und ich habe Heimweh. Wonach? Das ist nun die Frage…

Da schreibt man über 3 Jahre hinweg an einer Arbeit zur Erlangung der Doktorwürde. Oft zweifelt man, oft hadert man, ist nah am Aufgeben, beisst sich wieder durch und vollendet schliesslich das Werk. Geschafft. Denkt man. Wie naiv! Jetzt geht es erst richtig los. Formulare sind gefordert, welche persönlich aufs Büro gebracht werden sollen. Als Kind der technischen Errungenschaften moderner Zeiten versteht Frau das nicht und ruft auf besagtes Büro an, ob es wirklich notwendig ist, persönlich zu kommen, da a) der Weg weit und b) das Kind schulpflichtig ist, beides nicht mit den kargen Öffnungszeiten zusammen passt. Sie sind unerbittlich, einzige Möglichkeit: jemand anders könne für mich aufs Büro kommen und mich anmelden. Vorbei kommen muss jemand, Post geht nicht. Ob ich den Briefträger schicken könnte? Wohl kaum.

So lese ich also die Öffnungszeiten, packe Formulare und Kind ein und fahre in die Grossstadt meiner Alma Mater. Gemeinsam stapfen wir die Treppen hoch (ok, die Formulare werden nach wie vor getragen) und kommen ausser Atem vor der gewünschten Tür an, wo wir lesen: Wir sind umgezogen. Wir machen uns auf, die vielen gerade erklommenen Treppenstufen wieder hinunter zu steigen, um das Haus zu wechseln, da natürlich wieder in den obersten Stock zu laufen (viiiiele Treppen hinauf), wo wir an der Tür lesen dürfen: Unsere Öffnungszeiten haben geändert. Irgendwie lese ich Donnerstag nicht mehr als offenen Nachmittag – just der aktuelle Tag wurde eliminiert. Meine Laune – eh schon im Keller – hat bald Ölbohrniveau. Innerlich grummelnd, leise fluchend klopfe ich an die Tür, welche sich – Wunder über Wunder – auch öffnet und ein bekannter Kopf – Gott sei Dank – schaut raus. Die alten Öffnungszeiten würden noch bedient, meint die nette Dame, allerdings sei die zuständige Frau in der Mittagspause – mit unbekanntem Rückkehrtermin.
Es zeigt sich dann doch noch jemand, der zuständig ist und diese Frau setzt mich an einen Computer, welcher gerade hängt. Kann es ja mal geben. Ich soll meine Daten, die auf allen mitgebrachten Formularen auch stehen, neu eintippen. Gesagt getan. Der Computer hängt schon wieder, meine Daten sind verschwunden. Wenigstens nicht auf ewig, sie tauchen nach kurzem Zittern und Bangen wieder auf. Doch die nächste Hiobsbotschaft taucht schon auf: es fehlt noch ein Gesuch meines Professors für den 2. Referenten. Kann ja nicht angehen, dass eine Professorin einer anderen Uni einfach so, ohne Gesuch, an der hiesigen Uni referiert. Ich habe nun Gesuch an den Professor gestellt, ob er ein Gesuch stellen könnte.
Es scheint, man muss den Doktor hart verdienen. Formalismus heisst die hohe Hürde. Ich hoffe, ich knacke die auch noch.