Lebenskunst: Fragen

„Wichtig ist, nie aufzuhören zu fragen.“ (Albert Einstein)

Von Sokrates ist der Satz überliefert, dass er wisse, dass er nichts wisse. Im Wissen darum, dass Sokrates als einer der klügsten Männer gilt, wird dieser Satz oft in die Ecke der Ironie verschoben, oder aber man wiederholt ihn selbst, um damit quasi das Gegenteil zu zeigen, nämlich, sich als Wissenden.

Wieso ist es uns oft so wichtig, etwas zu wissen? Etwas nicht zu wissen, wird oft mit Schwäche, mit einem Makel gleichgesetzt. Doch stimmt das wirklich? Im Umkehrschluss heisst das, dass wir Wissen oft dazu nutzen, die eigene Überlegenheit, sicher aber Intelligenz und Bildung zu präsentieren. Dies passiert oft aus einem Gefühl, etwas leisten zu müssen, um Anerkennung zu verdienen. Das reine Sein als Mensch reicht nicht aus, man muss sich behaupten. Wissen eignet sich da sehr.

Wenn ich wieder mal behaupte, etwas zu wissen, könnte ich mich also fragen: Wieso ist mir das so wichtig? Weiss ich es wirklich? Wenn mir nicht geglaubt wird: Wieso trifft mich das? Fühle ich mich heruntergesetzt? Im Gegenteil könnte man sich auch fragen, ob einer, der behauptet, etwas zu wissen, dieses wirklich weiss. Und wieso er denkt, uns das sagen zu müssen (es sei denn, wir hätten gefragt, und selbst dann ist es sinnvoll, das präsentierte Wissen zu hinterfragen und nicht blind anzunehmen).

Schlussendlich kann man sich immer sagen: Einer, der alles zu wissen vorgibt, ist keinesfalls ein Weiser, sondern schlicht ein Besserwisser. Will ich das sein? Vielleicht zeugen Fragen ab und zu von mehr Weisheit als pfannenfertige Antworten, die vorgeben, Wissen zu sein.

3 Kommentare zu „Lebenskunst: Fragen

  1. Ich meine, du beziehst dich hier nur auf das interpersonelle Spiel des Vorzeigens bzw Behauptens von Wissen, um Ansehen und Selbstsicherheit zu gewinnen. Das gibt es natürlich. Statt Wissen kann man zu demselben Zweck auch anderes einsetzen: dass man bedeutende Menschen kennt, dass man Geld und Besitz hat, dass man Preise gewonnen hat, dass man hier und da eingeladen wurde, dass man einen berühmten Friseur frequentiert etc. Mit vielen Federn behängt sich der Mensch, um etwas herzumachen.
    Es gibt aber auch den echten Wissensdurst und die echte Verzweiflung, nichts zu wissen, nichts wirklich zu durchschauen. Faust ist so einer. „das will mir schier das Herz verbrennen“, sagt der, der weiß, das er weit mehr weiß als seine Zeitgenossen.

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    1. Faust ist natürlich das Paradbeispiel für den Wissensdurstigen – und ja, Wissen hat einen Reiz, hat eine Anziehung. Wer offen ist, neugierig ist, will wissen. Wobei ich mich grad frage, ob „Verstehen“ nicht besser wäre als „Wissen“. Von Hannah Arendt ist der Ausspruch überliefert, dass sie schreibe, weil sie verstehen wolle.

      Was kann ich wissen? Das fragte Kant. Und die Frage ist wirklich, ob wir „wissen“ können. Verstehen wollen – das treibt auch mich immer wieder an. Und ja, Wissen ist schon ein verlockendes Gut – auch für mich.

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      1. Ja, verstehen, begreifen, darum geht es.
        Wissen als Machtinstrument ist noch ein Aspekt, der durch die „Unwissenheit der Massen“ seine Ergänzung findet. Da ich mich nicht gern durch Mehr-Wissende beherrschen lasse, wird mein Streben nach Wissen auch dadurch befeuert.

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