Tagesgedanken: Selbstliebe

Fragt man Menschen, was sie sich wünschen im Leben, ist wohl die Liebe das, was am meisten genannt wird. Sie ist der Inbegriff dessen, was das Leben lebenswert macht, wonach wir uns sehnen, um uns wohl und gut zu fühlen. Fehlt die Liebe, fehlt nicht nur sie, sondern auch oft die Freude an allem anderen, weil wir uns innerlich leer fühlen.

Jemandem sagen zu können „Ich liebe dich!“ ist ein grosses Geschenk. Das Wissen um diesen anderen Menschen, den man aus tiefem Herzen annimmt, den man in seinem Leben weiss, dem man vertraut, auch sich anvertraut, gibt dem eigenen Leben einen Boden, gibt ihm eine Tiefe, gibt ihm Freude und erfüllt dieses mit Sinn.

Was erstaunlich ist: So wichtig und wertvoll dies ist, für den, der es sagt, wie für den, der es empfängt, so selten sagen wir uns selbst: „Ich liebe mich!“ Wir kämen uns komisch vor, fürchteten, selbstverliebt zu erscheinen. Aber: Wir sagen es uns nicht nur nicht, wir fühlen es nicht mal. Im Gegenteil: Oft schimpfen wir mit uns, wenn etwas nicht gelingt, wie wir das wollen, sehen uns als grösstes Mängelwesen unter der Sonne. Sagen nach einem Missgeschick nach aussen zwar lachend, was für Schussel wir doch sind, während wir uns innerlich zermartern, wieso uns das passieren musste. Wir verstricken uns zu häufig in negative Gedanken uns selbst gegenüber, dass für Liebe wenig Platz bleibt – und gerade dann würden wir sie brauchen, denn:

Wo Liebe wächst, gedeiht Leben – wo Hass aufkommt, droht Untergang. (Mahatma Gandhi)

Hass mag ein grosses Wort sein, aber nur schon Ablehnung reicht. Indem wir uns mit negativen Gedanken und Gefühlen zu uns selbst äussern, machen wir uns immer kleiner. Wir denken zu oft, perfekt sein zu müssen und vergessen dabei, dass Perfektionismus der Totengräber des Selbstvertrauens ist. Perfektionismus entsteht nicht aus der Motivation nach Leistung, sondern aus der Angst vor Ablehnung. Wir fürchten, nicht zu genügen und streben danach, alles möglichst gut, nein: perfekt, zu machen. Und legen damit eigentlich den Grundstein des Misslingens.

Es ist doch so: Was gelingen kann, kann auch misslingen. Und manchmal ist sogar Misslungenes ein Gewinn – je nachdem, welche Perspektive wir einnehmen und was die Konsequenzen sind (die man vorher gar nicht abschätzen konnte, ist das Leben doch kontingent). Was ist also zu tun?

Indem ich die Möglichkeit des Misslingens akzeptiere, habe ich mehr Mut, Dinge zu probieren. Und je mehr ich probiere, desto öfter erlebe ich das Gelingen, desto mehr erfahre ich mich als tätigen, nach meinen Wünschen und Zielen lebenden Menschen. Auf diese Weise entfalte ich mich mehr und mehr als mich selbst. Es ist wichtig, dabei immer wieder darauf zu vertrauen, dass ich auch mit einem Misslingen umgehen könnte – Selbstvertrauen heisst das Zauberwort. Die gute Nachricht: Man kann es lernen. In kleinen Schritten, indem bei jedem gelungenen Versuch ein wenig dazu kommt, ebenso bei jedem misslungenen, den man überlebt und sogar gut überstanden hat.

Bevor ich also das nächste Mal sage: „Das kann ich eh nicht, ich bin nicht gut genug“, denke ich besser an all die Male zurück, an denen was gelang oder sich als nicht so schlimm herausstellte beim Misslingen. Und dann denke ich: „Ich will es versuchen, weil es mir wichtig ist. Und ich glaube daran, dass es gut kommt, egal wie.“ Frei nach Buddha:

„Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.“

Und dann gehe ich ans Werk, traue es mir zu. Und ich erfahre, dass ich in der Lage bin, Dinge anzugehen, dass ich etwas bewirken kann. Und vielleicht sage ich dann bald ganz leise zu mir selbst: „Ich liebe mich – weil ich bin, wie ich bin, und weil ich mir vertraue, so dass ich auch so sein darf.“ Vielleicht gelingt es nicht immer, es ist ein Weg, der immer und immer wieder gegangen werden will – aber der Weg lohnt sich.

2 Kommentare zu „Tagesgedanken: Selbstliebe

  1. Hass und Liebe
    in jedem von uns
    dem Wesen nach
    sichtbar an
    unserem Janusgesicht

    es gibt kein universales
    einheitliches Gedankenkonzept
    das ein Naturgesetz des Lebens
    uns allgemeingültig
    erklären kann

    wir sind lebende Wesen
    mit Gedankenfülle
    aus dem Unbewussten
    geformt zur Annäherung
    zur Wirklichkeit von Welt

    wir sind alle
    Menschen mit
    unteilbarer Würde

    alles dem
    was wir sind
    entsteht aus der Seele
    die in uns ist

    wir sind Natur in der Natur
    geformt durch das Zusammenspiel
    der Innenwelt mit der Aussenwelt

    wir sind nicht der Schöpfer
    unseres Lebens selbst

    wir spielen im Drama
    eine Nebenrolle
    der Seele und der Aussenwelt
    für eine begrenzte Zeit

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