Aufgewacht

Manche Themen sind ein Leben lang wichtig, andere werden es plötzlich. Einige Themen schwelen irgendwo im Untergrund und brechen dann hervor – dieses hier ist mir sehr wichtig, weswegen ich es hier nochmals teilen möchte – zumal es die Welt der Bücher und damit das, was hier künftig zu lesen sein wird, auch betrifft.

Sprachzeiten - Schreibwelten

Ich bin aufgewacht. Ich schwanke zwischen «endlich» und «erst». Eine Trauer hat sich in mir ausgebreitet, als ich merkte, was ich verpasst habe, wo ich nicht hingeschaut habe, was an mir vorbeizog oder was ich sogar aktiv verneinte, ablehnte. Wie tief waren die Muster, die Prägungen, wie stark verankert die Erwartungshaltungen von Kindheit an. Ich war in ihnen gefangen – für fast 50 Jahre. Der einzige Trost, der sich mir bot, war, dass ich noch 30 bis 40 Jahre haben könnte, es anders zu machen. Besser zu machen – besser für mich, nicht um irgendwelche Normen zu erfüllen wie bislang.

Ich habe mich lange gegen den Feminismus gewehrt, mich davon distanziert. Ich bin keine Feministin, sagte ich, ich bin ein Antifeminist. Ich lachte mit den Männern mit, welche Sprüche über die hässlichen Feministinnen machte, fand Männer durch die sehr vehementen Forderungen oft benachteiligt und selbst bald unter Druck. Ich sah…

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4 Kommentare zu „Aufgewacht

  1. Ein sehr persönlicher und berührender Beitrag…
    Die Bereitschaft, zu erwachen, die Augen zu öffnen und hinzusehen: bedarf es mehr?
    Die Heilung für all die Ismen dieser Welt findet sich im Balsam des offenen Ohrs.
    Eines Tages werden die Menschen der Stigmatisierung verständnislos gegenüberstehen, sie werden ihren Sinn nicht mehr begreifen.
    Dann werden „schwarz“, „weiß“, „männlich“, „weiblich“ ununterscheidbar sein von „mit Zopf“, „behandschuht“, „sommersprossig“, „blass“: Fakten ohne Bedeutung.
    LG Michael

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    1. Genau darauf hoffe ich. Aber es wird wohl eine Weile dauern. Und doch muss man einen Anfang machen und hinsehen. Darauf hinarbeiten, dass es irgendwann darauf ankommt, dass jemand ist, bevor man mit den Zuschreibungen anfängt, die so oder so nur aus ihm selber kommen können. Im Sinne eines Existentialismus, der vor dem Essentialismus kommt. In der östlichen Philosophie findet sich der Gedanke auch als die Wahrnehmung des „Ich bin“ – nicht „ich bin dies oder das“, sondern zuerst einfach mal „ich bin. Das sollten wir auf das Du übertragen. Wo die Abgrenzungen durch Schubladisierungen aufhören, da fängt ein wirkliches Miteinander auf Augenhöhe an.

      Liebe Grüsse
      Sandra

      Gefällt 1 Person

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