Verzeihen

„Wir sollten immer verzeihen, dem Reuigen um seinetwillen, dem Reulosen um unseretwillen.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

Jeder Mensch ist wohl schon einmal verletzt worden. Manche Verletzungen gehen weit zurück und noch immer wirken sie in uns. Wir denken zurück an das, was war, spüren, wie Gedanken zu drehen beginnen, Gefühle ausgelöst werden, wir sogar körperlich fühlen, wie schon der blosse Gedanke an die vergangene Verletzung nachwirkt.

Die Nachwirkungen sind aber nicht nur gefühlt und gedacht, sie zeigen sich auch in unserem Verhalten. Aus der gemachten Erfahrung heraus agieren wir in Zukunft anders, möglichst so, dass uns das nie mehr passieren kann, was uns so zusetzte. Auf die Weise lassen wir Menschen, die neu in unser Leben treten, ausbaden, was uns Menschen früher angetan haben – und wir verunmöglichen damit eine wirkliche Beziehung mit dem aktuellen Menschen.

Wir können das vergangene Unrecht nicht ungeschehen machen. Wir haben nur die Wahl, wie wir heute damit umgehen. Wir können das Ganze immer weiter mit uns herumtragen und damit unser heutiges Leben vergiften. Oder aber wir lassen es los und schauen nach vorne. Um das zu können, ist es wichtig verzeihen zu lernen. Wenn wir dem anderen Menschen verzeihen, was er uns antat, befreit uns das auch selber.

Verziehen heisst nicht vergessen. Es heisst auch nicht, dass wir den anderen Menschen wieder in unser Leben lassen. Vielleicht ist es für uns besser, den Abstand zu wahren, aber nun mit einem befreiten Gefühl im Herzen. .

4 Comments

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  1. Sehr, sehr schöner Beitrag, vielen Dank dafür. Folgendes Zitat, das ich einst irgendwo aufschnappte, erscheint mir hierzu noch passend: ‚Nicht zu verzeihen ist wie Gift zu trinken in der Hoffnung, dass die andere Person daran sterben wird.‘

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