Vertrauen

Schenkt man Vertrauen im Voraus? Muss Vertrauen erst verdient werden? Kann man Vertrauen aufbauen? Zerstören kann man es. Was dann? Ist es dann weg? Für immer oder nur bei diesem einen Menschen? Machen schlechte Erfahrungen das Vertrauen in andere schwerer? Ist das fair? Lässt man dann nicht Menschen für etwas zahlen, das andere verbrochen haben? Was ist Vertrauen überhaupt? So etwas wie der naive Glaube an das Gute im Leben und im Menschen? Ist Naivität gut? Oder vielleicht auch dumm?

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.

Wo ist das Vertrauen noch, wenn man denkt, kontrollieren zu müssen? Oder ist blindes Vertrauen dumm? Wäre dann Liebe auch dumm, da sie ja blind macht. Und Vertrauen soll – so sagt man – die Basis von Beziehungen sein, welche – im besten Falle – auf Liebe basieren. Wenn ich nun also nicht in den anderen vertraue, was liebe ich dann? Etwas, dem ich nicht traue? Oder denke ich, etwas nicht zu kennen, liebe aber das, was ich kenne? Oder kenne ich vielleicht die kritischen Punkte, habe darum Mühe mit Vertrauen?

Was ist Misstrauen? Selbstschutz, weil man zu oft auf die Nase fiel? Oder eine evolutionäre Massname zum Überleben, die schon ohne Vorerfahrungen da ist? Lässt uns Misstrauen nicht ständig auf der Hut und in Anspannung sein? Wie verträgt sich das mit Liebe, in der man sich einfach mal fallen lassen müsste? Oder ist die Welt vielleicht doch nicht ganz so einfach, dass Liebe auf Vertrauen baut, alles rosig und im Lot ist? Hat überhaupt jemand gesagt, es sei einfach?

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.
(Berthold Brecht: Der gute Mensch von Sezuan)

5 Kommentare zu „Vertrauen

  1. Sehr schöner Artikel. Vertrauen ist vielleicht das am wenigsten angeborene an uns. Es basiert
    wohl überwiegend auf den Erfahrungen, die wir gemacht haben, insbesondere den frühkindlichen. Oder was denkst Du?

    Gefällt mir

    1. Ich sehe es etwa gleich wie du: Unsere Erfahrungen prägen uns. Wachsen wir in einem Umfeld auf, das auf Vertrauen basiert, werden wir nicht übermässig verletzt, werden wir wohl leichter anderen Menschen vertrauen als das der Fall ist, wenn unser Vertrauen öfter verletzt wurde. Ich denke aber, es muss nicht mal nur das eigene Erleben sein. Die Sicht auf die Welt, in der doch viel Ungerechtigkeit herrscht, hilft auch nicht, gross auf Vertrauen zu setzen. Zu sehen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der sich selber oft der Nächste ist, die anderen eher weit abgerückt folgen, lernt uns wohl, vorsichtig und auf der Hut zu sein.

      Gefällt mir

      1. Schwierige Frage.
        Ich habe glücklicherweise Menschen kennengelernt, denen ich wirklich weitestgehend vertrauen kann (wahres Glück). Andererseits kann man letztendlich nur sich selbst und nicht mal sich selbst vertrauen.
        Aus neurobiologischer Sicht kann man Empathie, Vertrauen natürlich sowieso relativ kritisch sehen.

        Gefällt mir

      2. Was wäre es aus neurobiologischer Sicht? Eine Art der Vernetzung der Hirnströme (Synapsen), die sich aufgrund von einer Symbiose von inneren Abläufen und äusseren EInflüssen bildet und so das eigene Verhalten steuert?

        Eine sehr abstrakte Sicht, die aus dem Menschen irgendwie eine Art determinierte Maschine macht. Können wir dagegen ankämpfen? Mit eigenem Mantra quasi neue Synapsen bilden helfen? Weil wir es wollen?

        Gefällt mir

  2. Vertrauen ist die Basis – das Fundament. Ohne Vertrauen, regiert Angst und Kontrolle. Die Psychologie spricht u.a. von Urvertrauen. Inwieweit der Mensch sich bestimmen lässt, bleibt seine eigene Entscheidung und Wahl. Jedes Handeln, ob mit oder ohne Vertrauen, hat Folgen. Somit empfiehlt es sich präsent zu sein.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s