Stefan Heym (*10. April 1913)

Am 10. April 1913 kommt in Chemnitz Helmut Flieg als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie zur Welt. Schon früh engagiert er sich gegen den Faschismus, was die Nationalsozialisten auf ihn aufmerksam werden lässt. Er fällt vom Gymnasium und legt sein Abitur schliesslich in Berlin ab. Sein Studium der Journalistik kann er nicht da beenden, 1933 flieht er nach dem Reichstagsbrand in die damalige Tschechoslowakei und nimmt den Namen Stefan Heym an. Ein Studium einer jüdischen Studentenverbindung ermöglicht ihm die Übersiedlung nach Chicago, wo er sein Studium fortsetzt und dieses mit einer Arbeit über Heinrich Heine abschliesst.

Nach einer Tätigkeit als Redakteur für eine dem Kommunismus nahe stehende New Yorker Wochenzeitung arbeitet Heym ab 1939 als freier Schriftsteller.  Schon sein erster Roman Hostages (1942)wird ein grosser Erfolg.

Heym nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an und zieht 1943 als Mitglied einer Einheit für Psychologische Kriegsführung in den Krieg, wo er Texte für Flugblätter und Rundfunksendungen schreibt. Es folgen Einsätze bei Zeitungen in Deutschland und 1945 wegen prosowjetischen Äusserungen die Rückversetzung in die Staaten, wo er wieder als freier Schriftsteller arbeitet und Ende 1948 den Roman The Cursaders veröffentlicht.

1952 verlässt Stefan Heym die USA und siedelt über Prag in die DDR über. Er arbeitet als freier Schriftsteller und sieht sich schon bald mit neuen Konflikten konfrontiert, an deren Ende ein Veröffentlichungsverbot steht. Eine unerlaubte Veröffentlichung in der BRD bringt ihm eine Geldstrafe. Eine kurzweilige Entspannung der Lage wird schnell revidiert, Heym kann nur noch in der BRD veröffentlichen und wird aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. Stefan Heym spricht sich in den 1980er Jahren deutlich für die Wiedervereinigung aus, gehörte 1989 auch zu den Rednern auf der Alexanderplatz-Demonstration.

Auch nach der Wende hört sein politisches Engagement nicht auf. Immer wieder weist er auf die Benachteiligung der Ostdeutschen bei der Integration hin, übernimmt dafür sogar ein politisches Mandat, das er aus Protest 1995 wieder niederlegt. Am 16. Dezember 2001 stirbt Stefan Heym an einem Herzversagen.

Zurück bleibt die Erinnerung an ein politisch engagiertes Leben und seine Werke, die sein Engagement durchschimmern lassen:

Wenn die unerhörten Klänge

Wenn die unerhörten Klänge
wilder Frühlingsnacht verrauscht,
und die Wolkenwindgesänge
sich mit Morgendunst vertauscht.

Treten wir ins Licht hinein,
das von feuchten Blättern rinnt;
und wir werden anders sein
als wir je gewesen sind.

Neue Liebe unter neuen
Menschen, die mit frohem Grüssen
sich des neuen Daseins freuen –

Neuer Geist, der uns beschwört!
Eine Welt zu unsern Füssen,
eine Welt, die uns gehört!
(1936)[1]

Stefan Heym hinterlässt ein grosses literarisches Werk, das sein bewegtes Leben widerspiegelt. Stets stellte er sich seiner Zeit und setzte sich für seine Überzeugungen ein. Kritiker werfen ihm vor, Fahne im Wind zu sein, doch bei Lichte betrachtet setzt er sich selten dafür ein, was gerade in ist, vielmehr geht er meist den unbequemen Weg der Opposition. Auch wenn sie schwierig ist, liebt Stefan Heym seine Zeit und sagt selber, in keiner anderen leben zu wollen, da keine so viele Veränderungen mit sich bringen könnte, wie es die seine tut. Er sieht in den Schwierigkeiten der Zeit den Antrieb für menschliches Wachstum, vor allem aber ein Paradies für einen Schriftsteller, der aus dem Vollen schöpfen kann.

Werke von Stefan Heym

  • Nazis (1938)
  • Hostages (1942, dt. Der Fall Glasenapp)
  • The Crusaders (1948; dt. Der bittere Lorbeer oder Kreuzfahrt von heute)
  • The Eyes of Reason (1951, dt. Die Augen der Vernunft)
  • Shadows and Light (1963, dt. Schatten und Licht)
  • The Queen against Defoe (1975; dt. Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe)

[1] Zitiert nach Stefan Heym: Ich aber ging über die Grenze. Frühe Gedichte, ausgewählt und herausgegeben von Inge Heym, mit Collagen von Horst Hussel und einem Nachwort von Michael Müller, C. Bertelsmann Verlag, München 2013.

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